Welche Fähigkeiten brauchen wir, um erfolgreich zu sein?

Angesichts der hohen Geschwindigkeit des wirtschaftlichen und technologischen Wandels denken wir, dass Resilienz die wichtigste Fähigkeit ist, die es zu kultivieren gilt.

Der konstruktive Umgang mit Schwierigkeiten verbessert unsere Chancen, uns danach wieder gut zu fühlen. Wir müssen in der Lage sein, Schwierigkeiten zu überwinden, anstatt deprimiert zu werden, wenn etwas schiefgeht. Und das nennen wir Resilienz.

Resilienz ist die psychische Widerstandsfähigkeit, die jede*r von uns entwickeln kann. Es ist kein Talent von einzigartigen Menschen, oder von Leuten, die mit einem besonderen Charakter gesegnet sind.


Kinder - unsere Zukunft

Es ist wichtig, dass Resilienz gelehrt und trainiert wird: für Erwachsene und ganz besonders für Kinder. Unserer Meinung nach ist es unglaublich wertvoll, wenn Kinder wissen, dass sie die Kraft haben, selbst Veränderungen vorzunehmen. So lernen sie, mit vielen Facetten des Lebens besser umzugehen und sie schöner zu gestalten.

Wir denken, dass "die Welt besser wird", wenn Kinder und Schüler*innen Resilienz lernen. Inhaltlich geht es dabei um Themen wie Kommunikation, Stress-Management und emotionale Problemlösung. Es geht darum, achtsame Momente im Klassenzimmer zu schaffen und ihnen beizubringen, wie man mit schwierigen Gefühlen arbeitet, damit sie sich besser auf das, was zu tun ist, konzentrieren zu können.

Nicht nur die Schule kann Resilienz unterrichten. Zweifellos ist die Familie das wichtigste System, das die Widerstandsfähigkeit von Kindern beeinflusst. Kinder, die in einer warmen, liebevollen und unterstützenden Umgebung mit offener Kommunikation aufwachsen, haben einen großen Vorsprung im Leben.

Deshalb sprechen wir mit den folgenden Impulsen insbesondere Eltern und Erziehungsberechtigte, aber natürlich auch Lehrer*innen an.


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11 Tipps zur Steigerung der Widerstandsfähigkeit  

Die folgende Liste enthält eine Reihe konkreterer und spezifischer Möglichkeiten, wie Eltern und Bezugspersonen die Widerstandsfähigkeit von Kindern fördern können (Brooks und Goldstein, 2003):

Unterstützung: Stelle sicher, dass dein Kind einen nahen und unterstützenden Erwachsenen hat, bei dem es sich wohl fühlt.

Zuhören:  Dein Kind muss wissen, dass du dich wirklich auf das einstellst, was es zu sagen hat und nicht nur mit halbem Ohr hinhörst.

Kinder akzeptieren, wie sie sind: Vermeide es, dein Kind in eine Richtung zu drängen, in die es nicht gehen möchte.

Stärken erkennen: Finde heraus, worin dein Kind wirklich gut ist, und biete genau darin Ermutigung und Unterstützung.

Fehlerkultur: Sag deinem Kind, dass es in Ordnung ist, Fehler zu machen. Es sind Lernerfahrungen - das nächste Mal kann es versuchen, es besser zu machen.

Verantwortungsbewusstsein: Gib deinem Kind die Möglichkeit, Verantwortung zu entwickeln. Das fördert sein Selbstwertgefühl und die Selbstwirksamkeit.

Aktivitäten: Biete deinem Kind die Möglichkeit, sich an Aktivitäten zu beteiligen, die ihm wichtig sind.

Problemlösung lehren: Zeig deinem Kind, wie es mit Problemen umgehen kann. Sei ein Vorbild, an dem es sich orientieren kann und ermutige es zum Weitermachen und Durchhalten.

Humorvoll sein: Einfach mal darüber lachen... Hilf deinem Kind, den Humor in einer Situation zu sehen. Humor ist ein mächtiges Werkzeug, das es in vielen schwierigen Lebenssituationen anwenden kann.

Hoffnung zeigen: „Ich weiß, dass es jetzt schlecht aussieht, aber du wirst das schaffen.“ Fördere den Optimismus und die Zuversicht deines Kindes. Optimismus ist ein wiederkehrendes Thema in der Resilienz. Das Positive in einer Situation zu sehen, ist ein wichtiges Mittel, um junge Menschen zu einer widerstandsfähigen Denkweise zu ermutigen.

Positive Auffrischung: „Was kannst du daraus lernen, damit es das nächste Mal nicht passiert?“ Die Reflexion hilft Kindern, eine realistischere und gesündere Perspektive auf eine Situation zu erhalten.


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 Weitere Faktoren für Resilienz

Arbeit macht stark

Arbeit fördert die Resilienz. Besonders bei Jugendlichen. Sie verschafft ihnen ein Gefühl der Unabhängigkeit und Selbstwirksamkeit. Die Art von Stolz entsteht, die aus der Übernahme von Verantwortung und dem eigenen Geld kommt. Wenn also eine Beschäftigung für den Zeitplan des Teenagers machbar ist, unterstütze sie.

Übrigens: Geht es darum, belastbare, mitfühlende und einfühlsame Kinder zu fördern, ist eine ehrenamtliche Tätigkeit ein wirkungsvolles Instrument. Es fördert die Verantwortung, anderen in der Not zu helfen und Sorge für andere zu entwickeln. Außerdem wirkt es sich positiv auf die Gesellschaft aus. Gibt es einen besseren Weg, um dem Leben eines jungen Menschen Sinn zu geben, als andere zu unterstützen?

Gesunder Lebensstil

Ausreichender Schlaf, gute Essgewohnheiten und körperliche Bewegung fördern die Belastbarkeit. Sie geben jungen Menschen die notwendige Kraft und Energie, um mit stressigen Situationen umgehen zu können und einen ausgeglichenen, gesunden Lebensstil zu entwickeln.   

Wusstest du, dass Stress mit Entspannung nicht vereinbar Ist? Deshalb sind Techniken, die das bewusste Atmen und das Entspannen fördern, wichtige Methoden, die Kinder und Jugendliche auch ohne fremde Hilfe anwenden können, um ihr emotionales Gleichgewicht zu stärken.

Alltagsroutine und neue Aktivitäten

Die tägliche Routine - also die Aufrechterhaltung einer Struktur - ist ein wichtiges Mittel, um junge Menschen dazu zu bringen, sich unter Kontrolle zu halten und sich nicht zu überfordern.

Gleichzeitig stärkt es das Selbstwertgefühl und die Autonomie des Kindes, wenn es mal etwas Neues ausprobiert. Beim Ausprobieren von Dingen, die ungewohnt (oder anfangs vielleicht sogar beängstigend) sind, können sie lohnende und erfreuliche neue Aktivitäten entdecken – und dabei unerwartete Erfolge erzielen.

Sinnvolle Ziele & Leidenschaft fördern

Junge Menschen sind oft gestresst. Sie fühlen sich überfordert, weil sie bestimmte Ziele – wie zum Beispiel bestimmte Vorgaben in der Schule oder Erwartungshaltungen der Eltern - nicht erreichen können. Ihre Widerstandsfähigkeit wird aber nur dann gestärkt, wenn sie stolz darauf sein können, ihre Ziele erreicht zu haben.

Besonders in der Schule spüren viele einen enormen Druck, sie sind voll auf Leistung getrimmt. Natürlich ist ein gesundes Maß an Engagement sehr positiv – aber der Druck muss auch immer wieder mal rausgenommen werden. Da helfen Pausen. Pausen, in denen Kraft und Energie getankt werden kann: Das Zusammensein mit Freund*innen, sich bewegen (ohne Wettkampfcharakter), Hobbys ausüben oder einfach nur chillen ... das sind Faktoren, die die psychische und körperliche Gesundheit stärken.

Jugendliche – genau wie Erwachsene - genießen ein erfüllteres Leben, wenn sie ihrer Leidenschaften frönen können. Fördere das Erkennen der Stärken und Leidenschaften deines Sprösslings und ermögliche ihm die entsprechenden Aktivitäten (Musik, Tanz, Sport, Forschen & Entdecken, uvm). So trägst du wesentlich zur Lebensfreude deines Kindes bei.

Leuchtturm

Negative Zustände überwinden und Selbstsabotage verhindern

Nun zu den Erwachsenen!

Für uns kann die ausreichende Entwicklung von Resilienz den Unterschied ausmachen, ob man einen Job mag oder ausbrennt.

Eine kleine Studie von Forschern der Universität von Wisconsin ergab, dass nach nur zwei Wochen täglicher "Metta-Meditation" (Meditation der liebenden Güte) die Versuchspersonen widerstandsfähiger gegen menschliches Leid waren. Sie waren in der Lage, das Leiden (dargestellt in negativen Bildern) mit emotionalem Abstand und Mitgefühl zu betrachten, anstatt verstört zu reagieren.

Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass die Meditation hilft, Resilienz aufzubauen. Die Ergebnisse zeigen, dass Mitgefühl ein Muskel ist, der entwickelt und gebeugt werden kann, der die Menschen widerstandsfähiger und letztendlich fähiger gegenüber Herausforderungen macht.

Vermutlich stößt auch du in deinem Job oft auf Hindernisse, Enttäuschungen und Frustrationen. Das kann dich vom Wesentlichen ablenken, ja sogar krankmachen. Deshalb ist es wichtig, widerstandsfähig zu bleiben. Belohne dich dafür, indem du selbst die kleinsten täglichen Gewinne und Fortschritte wahrnimmst und dich darüber freust. 

Resilienz ist ein persönlicher Akt des Widerstands. Werde dir deiner Gefühle und deines internen Dialogs bewusst. Erkenne, welche Rolle sie in deinen Handlungen spielen. So kannst du negative Zustände überwinden und gegen den Teil von dir rebellieren, der sich selbst sabotiert. Und wenn etwas mal nicht so funktioniert, wie du es dir erwartest, dann wirst du fähig sein, verschiedene Wege zu entwickeln, die Dinge trotzdem gut zu erledigen. Denn Resilienz stärkt unsere Problemlösungsfähigkeiten und unser körperliches, geistiges und emotionales Wohlbefinden.

Resilienz ist wie eine Super-Kompetenz, die viele andere verwandte Fähigkeiten und Fertigkeiten beeinflusst. Fähigkeiten, die wir brauchen, um gut zu lernen, zu arbeiten, zu managen und zu führen. Und das wiederum ist ein entscheidender Schritt zu einem glücklicheren Leben.

Resilienz ist die Kraft, mit der man es vom Boden 
wieder auf die Beine schafft.  
(Ronald Lengyel)


*Studie der Universität von Wisconsin - Madison's Center for Healthy Minds – veröffentlicht bei https://www.frontiersin.org/journals/psychology


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