Mir ist heute Morgen etwas Erstaunliches passiert: Ich bin aufgewacht.

Ich meine nicht, dass ich plötzlich eine Art religiöse Erleuchtung hatte. Ich habe einfach nur im wahrsten Sinne des Wortes meine Augen geöffnet. Wie jeden Morgen erwachte ich in der Realität meines Lebens, bereit für einen neuen Tag.

Ein weiterer Tag um meinen Frühstückstee zu trinken, den Ö3 Wecker zu hören, einer Freundin eine aufmunternde WhatsApp zu schicken, meine Mails zu checken, Nudeln zu essen und eine Runde im Park zu drehen. Ein neuer Tag, um meine Lieblingsnichte anzurufen, in einem Buch zu lesen, ein Kompliment zu bekommen und mir Gedanken zu machen, worüber ich im nächsten Blog schreiben werde.

Du denkst jetzt wahrscheinlich: Aber das ist doch keine große Sache!

Ich finde sogar, dass es eine ganz große Sache ist (Vor allem, wenn wir daran denken, dass ein Tag kommen wird, an dem wir nie wieder aufwachen werden).

Seit einigen Monaten beschäftige ich mich intensiver mit dem Thema Dankbarkeit. Dankbar zu sein beginnt (nicht nur) für mich mit der Erkenntnis, dass das Leben gut und lohnend ist. Morgens aufzuwachen und zu denken: „Es ist großartig, am Leben zu sein“, ist ein guter Anfang. Wissen, dass das Leben im Überfluss vorhanden ist - und ich es nach meinen Wünschen gestalten kann – löst bei mir regelmäßig dieses warme Gefühl in der Herzregion aus, das wir üblicherweise Dankbarkeit nennen.


Bild Grateful


Kurzer Ausflug in die Wissenschaft

Es gibt einen Berg an wissenschaftlichen Nachweisen, der zeigt, dass es gut für uns ist, dankbar zu sein beziehungsweise Dankbarkeit zu praktizieren.

Die Grundlage dafür bietet eine bahnbrechende Studie aus dem Jahr 2003 von Dr. Robert A. Emmons (University of California) und Dr. Michael E. McCullough (University of Miami). Sie teilten die Menschen in drei Gruppen auf.

Die Teilnehmer der Gruppe 1 wurden angewiesen, über die vergangene Woche nachzudenken und fünf Dinge aufzuschreiben, für die sie dankbar waren.

Die Teilnehmer der Gruppe 2 wurden aufgefordert, fünf Probleme oder ärgerliche Dinge aufzuschreiben, die ihnen widerfahren sind.

Und schließlich wurden die Teilnehmer der Gruppe 3 gebeten, fünf Ereignisse, die sie in der letzten Woche "betroffen" hatten, entweder positiv, negativ oder neutral zu notieren.

Nach 10 Wochen zeigten die Ergebnisse, dass sich die Teilnehmer der Dankbarkeitsgruppe (Gruppe 1) in ihrem Leben besser fühlten, sich mehr auf die kommende Woche freuten und weniger Krankheits-Symptome hatten.

Seither wurden Dutzende weiterer Studien durchgeführt. Es wurde nachgewiesen, dass Dankbarkeit Depressionen verringern kann, die Empathie erhöht, das Selbstwertgefühl verbessert und geistige Widerstandsfähigkeit (Resilienz) aufbaut.

So, da haben wir es. Schwarz auf weiß.

Trotzdem fällt es uns oft schwer, Dankbarkeit zu üben!

Bild Frau mit Kind

Wie geht Dankbarkeit?

Wie sollen wir uns dankbar fühlen, wenn wir unseren Job verlieren oder uns mit unseren Partner*innen streiten? Wie sollen wir Dankbarkeit empfinden, wenn das Leben eine unendliche Quelle kleiner Enttäuschungen und Misserfolge zu sein scheint?

Die meisten Menschen haben das Gefühl, dass sie warten müssen, bis etwas Gutes oder Großes passiert, um sich dankbar zu fühlen. Zum Glück stimmt das aber nicht. Wir können Dankbarkeit trainieren. Es gibt eine Vielzahl von wirkungsvollen Strategien, die wir dafür nützen können. Die 2 wichtigsten sind:


1. ES KÖNNTE SCHLIMMER SEIN!  

Denke an all das schlechte Zeug, das dir nicht passiert ist.

2. NICHTS IST SELBSTVERSTÄNDLICH!  

Erkenne den Wert einfacher Dinge, die du normalerweise für selbstverständlich hältst.


Nachdem ich kürzlich einige Zeit mit der Tochter einer Freundin verbracht habe, fiel mir auf, was für eine großartige „Erwachsene“ sie geworden ist. Sie war ungefähr 14, als ich sie das erste Mal traf, mitten in der Hochzeit ihrer Pubertät und auf vollem Konfrontationskurs gegen ihre alleinerziehenden Mutter. Sie hat die Schule geschmissen, ist in gefährliche Kreise geraten und schließlich in der Drogenszene gelandet. Knapp 10 Jahre später hat sie nach einer Entziehungskur ihr Leben komplett umgekrempelt und neu gestaltet. Sie hat eine Lehre nachgeholt, einen guten Job gefunden und einen neuen Freundeskreis gewonnen.

Ich finde es großartig, wie sie die schwierigen Jahre hinter sich gelassen hat, clean geworden ist und jetzt ihr Leben meistert. Und das habe ich ihr dann auch gesagt. Mehr als Worte es ausdrücken können, zeigte mir ein tiefer Blick aus ihren feucht schimmernden Augen, wie dankbar und glücklich sie darüber war.  


Bild Dankesbrief


Drücke Dankbarkeit und Wertschätzung aus.

Das Beispiel zeigt: Es könnte viel schlimmer sein! Und nichts ist selbstverständlich. Schon gar nicht, jemandem ins Gesicht zu sagen, wie sehr man sie oder ihn schätzt oder wofür man diesem Menschen dankbar ist.

Versuch es doch mal. Geh hinaus und drücke einer ahnungslosen Person deine Dankbarkeit aus: Vielleicht der Kassiererin im Supermarkt, die in flottem Tempo deinen Einkauf über den Scanner laufen lässt und der du so blind vertraust, dass du nicht einmal das Wechselgeld nachzählst. Oder den Müllmännern und -frauen, die „selbstverständlich“ immer für Sauberkeit an deinem Wohnort sorgen. Oder deinen Eltern, die ihr Bestes getan haben, um dir eine möglichst glückliche und sorglose Jugend zu ermöglichen.  

Verschwende jetzt keinen einzigen Gedanken daran, es perfekt machen zu wollen. Ein einfaches „Du machst das großartig, danke!“ ist besser, als gar nichts zu sagen. Probier es aus. Und wenn du Lust hast, erzählt uns dann, wie es gelaufen ist. Schick uns eine e-Mail an willkommen@2mfh.com

Ich selbst habe schon seit Jahren solche Gedanken, habe mich aber nie darum gekümmert, sie auch auszusprechen. Ich wusste nicht, welche Auswirkungen sie haben können. Aber jetzt werde ich nie wieder damit aufhören. Es ist eine fantastische Möglichkeit, andere Menschen glücklich zu machen – und dadurch auch gleich selbst einen Stimmungsschub zu erhalten, weil man jemanden zum Strahlen gebracht hat.


DAnkbarkeitstagebuch


Unser heutiger Impuls: Das Dankbarkeits-Tagebuch

Wie eingangs erzählt, stellten schon Emmons und McCullough fest, dass Menschen, die Dinge regelmäßig aufschreiben, für die sie dankbar sind, optimistischer sind und sich in ihrem Leben besser fühlen.

Aus diesem Grund empfehlen wir Glücksministerinnen euch, ein Dankbarkeits-Tagebuch zu führen. Diese Aufzeichnungen sind ein mächtiges Werkzeug, um die guten Dinge im Leben aufzuspüren und festzuhalten. Und egal, wie schwierig das Leben manchmal auch ist, es gibt immer etwas, wofür du dankbar sein kannst.

Es ist ganz einfach.

Besorge dir ein schönes Tagebuch oder nimm ein einfaches Notizbuch und einen Stift. Wenn du computeraffin bist, kannst du dich natürlich auch für ein elektronisches Tagebuch entscheiden, also zum Beispiel in einem Word-Dokument arbeiten. Oder du lädst dir eine der zahlreichen Dankbarkeits-Apps aus dem Internet auf dein Tablet oder Handy herunter und nutzt diese Vorlagen.

Sobald du dein Tagebuch oder deine App fertig hast, beginn damit, täglich die Dinge zu notieren, für die du dankbar bist.


Hier ein paar Beispiele:

+ Ein paar nette Worte oder Zeilen von einem geliebten Menschen.

+ Sich in frisch gewaschene Bettwäsche einkuscheln.

+ Eine angenehme Mahlzeit mit Kolleg*innen genießen.

+ Das Lächeln deines Kindes, wenn du es ins Bett bringst.

+ Das Geräusch des Regens am Fenster, während du sicher und geborgen im Warmen sitzt.

Ja, es ist wirklich so einfach!


Dazu noch 5 extra Tipps:

1. Am besten planst du für dein Dankbarkeits-Tagebuch jeden Abend etwa 10 Minuten vor dem Schlafengehen ein. So schließt du den Tag positiv ab. Es kann dir helfen, dich ruhiger zu fühlen, Stress abzubauen und besser zu schlafen.

2. Schreib so viele Dinge, wie du willst. Manchmal werden es vielleicht nur 3, manchmal aber auch 10 sein, die dir einfallen. Egal – es gibt kein Limit zu erfüllen. Es wird Tage geben, an denen du vor Dankbarkeit nur so sprudelst und andere, an denen es nicht so läuft und du dir selbst Empathie und Verständnis geben musst.

3. Erwarte nicht zu viel. Das Ereignis, für das du dankbar bist, muss nicht immer besonders tief gehen. Du kannst für einen unterhaltsamen Film, den du gesehen hast, genauso dankbar sein, wie für ein nettes Kompliment. Halte auf jeden Fall Negatives aus deinem Tagebuch raus.

4. Konzentriere dich auf die Interaktion mit Menschen und weniger auf Dinge. Es ist in Ordnung, dankbar für ein neues Smartphone oder Auto zu sein, aber das geht rasch vorbei. Die Freude, die du aus wichtigen Beziehungen ziehst, wird die Freude über materielle Dinge in den Schatten stellen.

5. Gib dieser psychologischen Strategie eine Chance. Mithilfe des Dankbarkeits-Tagebuchs kannst du mehr über dich selbst erfahren. Du erkennst, was deinem Leben Freude und Sinn gibt. Es wird dir eine neue Perspektive auf das geben, was dir wichtig ist und was du in deinem Leben wirklich schätzt.

Indem du feststellst, wofür du dankbar bist, wirst du Klarheit darüber bekommen, worauf du verzichten kannst und wovon du in deinem Leben mehr haben möchtest.

Und an den Tagen, an denen es dir nicht so gut geht, kannst du das Tagebuch durchlesen und dich an all die guten Dinge in deinem Leben erinnern!


Bild gelber Tulpen


Zum Abschluss dieses Artikels möchten wir die Gelegenheit nutzen, um uns bei euch, unseren Leser*innen und Fans, für die tollen Feedbacks zu bedanken. Wir freuen uns über jedes „Ich warte schon immer ganz ungeduldig auf die nächsten Happiness News“ genauso, wie über die positiven Rückmeldungen und den Erfolgen der Teilnehmer*innen unserer Kurse. Ihr zeigt uns, dass wir mit dem Ministerium für Happiness® sinnvolle, gute und nützliche Arbeit leisten (die uns auch noch mega Spaß macht). Wir senden euch virtuelle Blumen und ein von Herzen kommendes DANKE dafür!

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