Denken wir an die Arbeit, bricht bei vielen von uns nicht unbedingt so etwas wie Freude aus. Allmorgendlich das gleiche frustrierende Ereignis: das schrille Klingeln des Weckers reißt uns aus dem Tiefschlaf … schon wieder aufstehen, auch wenn es draußen oft noch dunkel ist. Haben wir uns erst einmal aus dem Bett gequält, frisch gemacht und zwischen Zähneputzen und Schuhe anziehen rasch eine Tasse Kaffee in uns rein geschüttet, geht´s ab in den Stau oder in überfüllte Verkehrsmittel. Es folgen acht Stunden Arbeit, die meist in schlecht beleuchteten und belüfteten Räumen stattfindet. Wen wundert´s, dass wir uns nach getaner Abend total zerschlagen fühlen und uns so rasch wie möglich wieder in unsere heimischen 4 Wände trollen?

Wie fühlen wir uns dagegen, wenn wir im Freien sind? Zerschlagen oder erfrischt? Nervös oder ruhig? Deprimiert oder glücklich? Das Glücksgefühl, das 99 Prozent von uns dabei empfinden, ist nicht nur in unserem Kopf!

Wir Menschen haben eine biologische Verbindung zur Natur. Dieses Phänomen wird “Biophilie” genannt. Es erklärt, warum wir einen sonnigen Platz auf der Fensterbank, einen üppig blühenden Garten oder eine Meeresbrise genießen. Die Verbindung mit der Natur ist wesentlich für unser Wohlbefinden und unsere Fähigkeit, produktiv zu sein.

Die neueste Forschung bestätigt, was wir instinktiv sowieso alle wissen – dass wir uns draußen besser fühlen.

Hier beschreiben wir 5 positive Aspekte, die uns die Natur schenkt:

Mehr Glücksgefühle

Unsere Stimmung verbessert sich, wenn wir Zeit im Freien verbringen. Denk nur an einen herrlichen sommerlichen Badetag, an ein Picknick auf einer blühenden Frühlingswiese oder an eine Winterwanderung im frischen, knirschenden Schnee. Alleine der Gedanke daran schenkt uns wunderbare Erinnerungen und ist beflügelnd. Studien beweisen, dass die in der Natur verbrachte Zeit das Risiko von Depressionen und Angstzuständen verringert beziehungsweise ihre Symptome verbessert.

Mehr Energie

Im Freien fühlen wir uns lebendiger. Die Natur ist Treibstoff für die Seele. Wie oft greifen wir zu einer Tasse Kaffee, wenn wir uns erschöpft fühlen? Und wie lange hält die Wirkung des Koffeins an? Der bessere Weg zur Energiegewinnung besteht darin, mit der Natur in Verbindung zu treten und raus zu gehen, wann immer es möglich ist.

Mehr Hirnleistung

Wenn wir mehr Zeit in der Natur verbringen hilft das, die Gedächtnisfunktionen zu verbessern, insbesondere das Kurzzeitgedächtnis wird gestärkt. Die Universität von Michigan fand heraus, dass ein Spaziergang im Park hilft, Hirnspeicher und Aufmerksamkeitsspanne zu verbessern.

Mehr Entspannung

Die im Freien verbrachte Zeit reduziert Stress. Die Auswirkungen auf Gehirn und Körper sind ähnlich wie bei der Meditation. Herzfrequenz und Blutdruck werden nachweislich gesenkt.

Mehr Kreativität

Im Freien fließt die Kreativität ganz natürlich. Nichts hält sie zurück. Statt durch Decken und Wände eingeschränkt zu sein, haben wir den weit geöffneten Himmel. Das kann für jedes Brainstorming und jede neu zu entwickelnde Strategie extrem nützlich sein.

Die Forschung beweist uns also, dass es viele Vorteile gibt, draußen zu arbeiten. Da bleibt die Frage offen: Warum tun wir das nicht? Warum verbringen wir Menschen nicht mehr Arbeitszeit im Freien?

Hindernisse fürs Arbeiten außerhalb der 4 Wände.

Es liegt an unserer evolutionären Entwicklung, an unserer Geschichte. Zuerst waren wir Jäger und Sammler, später Bauern – wir arbeiteten immer im Freien. Dann kam die industrielle Revolution – unsere Tätigkeiten haben sich in den letzten 300 Jahren langsam aber stetig in Innenräume verlagert.

Eine kürzlich durchgeführte Umfrage* hat einige überraschende Einsichten über die Hindernisse für die Arbeit im Freien aufgedeckt.

  •  87% der Menschen, die in geschlossenen Räumen arbeiten, betrachten sich als jemand, die/der gerne draußen ist. 75% der Befragten nehmen sich jedoch selten oder nie Zeit oder nutzen die Gelegenheit, mal im Freien zu arbeiten.
  •  57% dieser Personen verbringen auch außerhalb der Arbeitszeit weniger als eine halbe Stunde täglich im Freien.
  •  65% der Befragten geben an, dass ihre Arbeit die größte Hürde für den Aufenthalt im Freien darstellt – gefolgt vom Wetter (42%) und von der Hausarbeit (33%).

Moderne Arbeitsmodelle erlauben Arbeit im Freien.

Home-Office, verstärktes Einzel- und Kleinunternehmertum und vor allem die Digitalisierung eröffnen hier komplett neue Möglichkeiten. Viele Arbeiten können auch an anderen Orten erledigt werden.

Moderne Unternehmen sollten dafür offen sein und mobiles Arbeiten unterstützen, wann immer es möglich ist. Ob mit Stift und Papier in der Hängematte unterm Baum oder mit dem Laptop im schattigen Gastgarten: Arbeit im Freien gibt der Kreativität und Produktivität einen kräftigen Kick!

Ideen und Anregungen für Arbeitsverlagerung in die Natur.

Haltet eure Meetings im Freien ab.

So entgeht ihr auch dem Powerpoint-Wahnsinn. Wie die Forschung zeigt, ist der Nutzen von (oft langatmigen) Bildschirmpräsentationen ohnehin minimal; in vielen Fällen sogar kontraproduktiv. Die Natur unterstützt das gemeinsame Tun positiv, der Powerpoint-Vortrag unterstützt nur das kollektive Wegdämmern.

Telefonkonferenzen können dank der modernen Technik von jedem Ort der Welt durchgeführt werden. Also auch von einer Bank im Park.

Ein Brainstorming in der Natur bringt mehr gute Ideen als in geschlossenen Räumen.

Wir können auch viel von ihr lernen. Nehmen wir beispielsweise die „Bionik“. Ihr liegt die Annahme zugrunde, dass die belebte Natur durch evolutionäre Prozesse optimierte Strukturen entwickelt, von denen der Mensch sich viel abschauen kann. Schon Leonardo da Vinci wurde vom Vogelflug zu seiner Flugmaschine inspiriert – und ohne die Klette (Pflanze s. Bild) hätten wir heute keinen Klettverschluss.

Last but not least: Gute Lösungen für geschäftliche Probleme oder für neue Produkte werden leichter bei einer gemeinsamen Wanderung entwickelt, als am Schreibtisch. Die Bewegung in der Natur fördert die Kommunikation, das Zusammengehörigkeitsgefühl und das persönliche und wirtschaftliche Wachstum.

Und wenn dein Job absolut keine Arbeit im Freien ermöglicht, dann:

–> Hol dir ein wenig Natur an den Arbeitsplatz: Grünpflanzen, Zimmerbrunnen oder Aquarien sind zwar kein vollwertiger Ersatz für draußen, bieten jedoch eine willkommene Abwechslung und bringen Farbe und Frischluft in den Arbeitsalltag.

–> Starte den Tag mit einem Naturerlebnis. Gehe von oder zur Arbeit (zumindest ein Stück) zu Fuß und wähle eine möglichst schöne, naturbelassene Strecke. Wenn du in der Stadt wohnst und keine direkte Nähe zur Natur hast, mach einen kleinen Umweg, der dich durch einen Park oder zu einem Fluss führt.

–> Verbringe deine Pausen im Freien. Am besten machst du einen kurzen Spaziergang oder verspeist dein Essen genüsslich auf einer Parkbank. Das bringt dich runter und du kommst gestärkt an den Arbeitsplatz zurück.

–>  Hast du atypische Arbeitszeiten – wie zB Nachtdienst – oder arbeitest in einer Umgebung, die keine Auszeiten im Freien ermöglicht, dann sorge dafür, dass du wenigstens in deiner Freizeit so oft wie möglich die Natur genießen kannst, um zu regenerieren, Stress abzubauen und neue Energie zu tanken.

* Studie: LLBean 2018 Work and the Outdoors Survey

Teile diesen Beitrag
Scroll Up